Die Top-Neuheiten und neuen Beiträge


Hier könnte direkt auf eine separate Seite verwiesen werden
Mit Tipps, wie man diese Seite mitgestalten kann

Die Favoriten / auch Favoriten Anderer: besonders beliebt

Hier werden die Artikel im Warenkorb angezeigt




Geld für erfolglose Behandlungen

Vom einen zu viel - vom anderen zu wenig
27.02.2019 von Patricia Ortmann
copyright Robert Kneschke - fotolia.com

Geld für nicht erfolgreiche Behandlungen von der Krankenkasse. Hierbei handelt es sich nicht um eine Zeitungsente im Sommerloch, sondern um die traurige Tasache, dass täglich in mehren hundert Arztpraxen tausende Patienten allein in Baden-Württemberg auf Kosten der Krankenkassen nicht erfolgreich behandelt werden. Ein Problem, das vorwiegend bei Allgemeinmedizinern in Hausarztpraxen vorkommt.

Die Gründe für diese Fehl- und Unterbehandlung, so der Fachausdruck, sind vielschichtig, die Liste lang. Mögliche Ursachen für erfolglose ärztliche Behandlungen können sein: Unzureichende Diagnostik, fehlende Behandlungskompetenz, persönliche Defizite im Umgang mit belastenden Diagnosen, unzureichende Kenntnisse über medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten (fehlende Weiterbildung). Ebenso ursächlich für erfolglose Behandlungen: die Sorge vor Überschreitung des Medikamentenbudgets sowie die Befürchtung eines nicht leist- und finanzierbaren Behandlungsaufwands. 

Diese falsch verstandene Patientenbehandlung und -bindung kostet die gesetzlichen Krankenkassen jährlich hunderte Millionen Euro, die die Versichertengemeinschaft zu tragen hat und wodurch andere Behandlungsmöglichkeiten nicht gewährt werden können.

Möglichkeiten nützen

Patienten einer gesetzlichen Krankenkasse haben das Recht auf alle medizinisch notwendigen Leistungen, unabhängig ob es sich dabei um teuere Medikamente, die Anwendung von modernster Gerätemedizin oder die Behandlung durch einen Facharzt handelt. Hausärzte, die eine Überweisung zu einem Facharzt verweigern, handeln „fahrlässig“. Patienten sollten ihren Arzt darauf ansprechen und eine Überweisung zum Facharzt einfordern, wenn kein Behandlungsfortschritt eintritt. 

Nur durch die Mit- und Weiterbehandlung durch Fachärzte kann eine Fehl- und Unterbehandlung vermieden werden. Hierbei geht es nicht allein um die Kosten für erfolglose Behandlungen, sondern vielmehr darum, dass Patienten auch möglichst schnell wieder gesund werden, was durch eine Facharztbehandlung eher gewährleistet ist. Das Wichtigste aber ist, dass Patienten durch die richtige Arztwahl ihre eigene Lebenserwartung um bis zu vierzig Prozent verlängern können. Ein unschlagbares Argument für die richtige Arzt- bzw. Facharztwahl, wenn es um die eigene Gesundheit geht. 

Krankenkassen und Politik kopflos

Das Kernproblem liegt aber nicht allein bei den Ärzten und Hausärzten, sondern in der Konzeptlosigkeit von Krankenkassen und Politik. Die Krankenkassen haben den verständlichen Wunsch, die stetig steigenden Gesundheitskosten zu begrenzen. Eine Möglichkeit sehen sie darin, die Facharztbesuche ihrer Versicherten von durchschnittlich über 18 jährlich deutlich zu reduzieren. 

Weitere Leistungsbeschränkung

Um es auf den Punkt zu bringen: Den Versicherten soll die über Jahrzehnte zugestandene Leistung der freien Arztwahl deutlich eingeschränkt und möglichst ganz entzogen werden. Was nichts anderes als eine versteckte Beitragserhöhung ist. Dies geht in erster Linie nur dadurch, dass man den Versicherten die angeblichen Vorteile aufzeigt, die ein Besuch beim Hausarzt hat, unabhängig von den gesundheitlichen Beschwerden. Kein anderer Arzt außer dem Hausarzt, so argumentieren die gesetzlichen Kassen, kennt die Krankengeschichte des Patienten vergleichbar gut. Der Hausarzt wird überfordert, was eine weitere Gefahrenquelle für erfolglose Behandlungen ist. 

Keine kontrollierten Leistungen

Die Mitgliedskarte einer gesetzlichen Krankenkasse gleicht einer Kreditkarte mit nahezu unbeschränktem Guthaben für Versicherte in medizinischen Leistungen, soweit keine vertraglichen Beschränkungen durch den Hausarztvertrag bestehen. Die Konsequenz für die deutliche Mehrzahl der Versicherten: Zukünftig soll der Hausarzt die erste Pflicht- und Anlaufadresse bei Krankheiten jeglicher Art sein. 

Halbgott mit Halbwissen in Weiß

Der Hausarzt wird von vielen überwiegend älteren Patienten immer noch als Halbgott in Weiß angesehen, da das Vertrauensverhältnis zu ihm oftmals über Jahrzehnte oder Genarationen besteht. Ein Grund, warum die Erwartungshaltung an ihn auch noch besonders hoch ist, der er aber nicht gerecht werden kann. Verantwortung ist unzumutbar.

Verantwortung ist unzumutbar

Bei der Vielzahl von Krankheiten und vor allem vielen neuen Krankheiten, die vor zwanzig und mehr Jahren überhaupt noch nicht bekannt waren, kann der Allgemeinmediziner als Hausarzt nicht einmal im Ansatz ohne spezielles Wissen den Facharzt „vertreten“. Ein Arzt mit einer Allgemeinpraxis kann nicht 30 oder mehr medizinische Fachbereiche mit seinem medizinischen Wissen abdecken. Die diagnostischen, medikamentösen Möglichkeiten, die Nebenwirkungen sowie der Einsatz von Medizintechnik verlangen ein derart umfangreiches Wissen, das nur der jeweilige Facharzt haben kann.

Mit Schmerzen auf der Warteliste

Die Mehrzahl der Hausärzte hat eine mehr oder weniger gut gefüllte Bestellpraxis, die über wenig freie Termine verfügt. Jeder Patient, der kurzfristig einen Termin benötigt, kann ein Klagelied darüber anstimmen, welche Überzeugungsarbeit er leisten muss, um bei den Arzthelferinnen noch terminlich dazwischengeschoben zu werden.  

Ein Zustand, der kein Zustand ist 

Versicherte Patienten, die über gesundheitliche Beeinträchtigungen verfügen, über Probleme klagen, werden zum Bittsteller in der Arztpraxis, um einen Termin in der Sprechstunde zur Feststellung ihrer Erkrankung, einer Diagnose oder einer Entscheidung über die Weiterbehandlung für ihre Beschwerden zu bekommen. Eine Verschlechterung des Gesundheitssystems ist nicht weiter hinnehmbar für Ärzte und Patienten.   


share & mehr


Magazin-Druckerei

Machen Sie aus dem gewählten Dokument eine PDF.
So haben Sie die Möglichkeit, die interessantesten Beiträge zu speichern oder auf Ihrem Drucker auszudrucken.

Unterstützen Sie uns durch Spenden!

Möchtest Sie diese Seite finanziell unterstützen, damit wir Sie zukünftig noch schneller informieren können.


Dieses könnte Sie auch interessieren


Alle Beiträge zum Thema gesund, fit & schön

Alle Beiträge zum Thema Ausgabe 2019-03